Simon Zink und Julian Buchner nach dem Zieleinlauf beim Race Across Austria in Feldkirch
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Race Across Austria: Mein Rennbericht

Simon Zink · September 2026 · 10 Min Lesezeit

500 Kilometer. 9.000 Höhenmeter über die Alpen. Kein Begleitfahrzeug, kein Betreuerteam. Ende August bin ich beim Race Across Austria — East to West gestartet und habe nach 22 Stunden und 40 Minuten Platz 2 in der Solo-Wertung erreicht. Das ist der Bericht zum Rennen — die Vorbereitung dahinter folgt in eigenen Artikeln.

Zehn Monate Vorbereitung

Im Oktober 2025 stand die Entscheidung fest: Race Across Austria, 500 Kilometer, self-supported. Die Frage, die die gesamte Vorbereitung geleitet hat: Was kann ein Amateursportler in 10 Monaten bei einem solchen Extremrennen erreichen?

Diese Frage wurde zum Trainingsplan. Jede Trainingswoche war darauf abgestimmt, jeder Block hatte ein Ziel. Regelmäßige Leistungsdiagnostik zeigte, wo ich stand und wo ich hinmusste — Ist-Soll-Abgleich statt Training nach Gefühl.

Im Winter lief das Training fast ausschließlich indoor auf dem Rad, ergänzt durch Laufen und Krafttraining. Bereits zu dieser Zeit kamen die ersten Höhentrainingsblöcke zu Hause dazu — früh genug, um bis zum Renntag eine langfristige Leistungssteigerung aufzubauen. Ab dem Sommer stiegen die Trainingsumfänge auf rund 20 Stunden pro Woche, nahezu vollständig auf dem Rennrad, weiterhin begleitet von Kraft und Lauf.

Kurz vor dem Rennen folgte ein weiteres Höhentrainingslager — gezielt, um mich auf die Passüberquerungen vorzubereiten und keine Leistungseinbuße durch die Höhe befürchten zu müssen. Was ich sonst bei meinen Athleten steuere, habe ich diesmal an mir selbst getestet.

Anreise und Check-in

Am Mittwoch, einen Tag vor dem Start, reiste ich gemeinsam mit Julian Buchner an — er ging ebenfalls solo an den Start — sowie unseren zwei Support-Leuten. Check-in, Bike-Check und Ausrüstungs-Check standen auf dem Programm, damit am Renntag selbst nur noch eine Aufgabe blieb: starten.

Start als Letzter

Der Renntag begann entspannt. Gemütliches Aufstehen, Frühstück, keine Hektik. Das Startformat: Einzelstart, alle zwei Minuten ein Athlet von der Rampe. Mein Start war um 11 Uhr — als allerletzter von rund 400 Athleten aus 20 Nationen.

Die Nervosität hielt sich in Grenzen, bis ich kurz vor dem Start noch ein letztes Interview bekam. Dann ging es los.

190 Kilometer bis zum Basecamp

Der Tag war sonnig und warm. Eine ruhige Fahrweise ohne Überstürzen war mir wichtig — bei 500 Kilometern zahlt sich jeder unnötige Krafteinsatz in den ersten Stunden später aus.

Nach 190 Kilometern erreichte ich das Basecamp. Dort hatte ich einen Beutel mit persönlichen Sachen hinterlegt: Isopulver auffüllen, wärmere Kleidung für die Nacht mitnehmen. Nach etwa 15 Minuten ging es weiter — noch 300 Kilometer vor mir.

Nacht im Kühtai

Im Zillertal ging die Sonne unter, der Nachteinbruch kam. Als ich in den Kühtai einfuhr, war es bereits dunkel, kurz vor Mitternacht. Der Anstieg kostete mich einige Körner — dazu kamen Bauchprobleme, die mich bis zum Gipfel begleiteten.

Nächtliche Auffahrt circa Kühtai beim Race Across Austria
Circa Kühtai, kurz vor Mitternacht.

Parkbank in Imst

Nach 330 Kilometern erreichte ich Imst. Ich legte mich um 2 Uhr morgens für eine halbe Stunde auf eine Parkbank — Magen beruhigen, Kräfte sammeln, bereit werden für den zweiten Teil der Nacht.

80 statt 65 Minuten

Der folgende Anstieg zog sich. Geplant hatte ich 65 Minuten, gebraucht habe ich über 80.

In diesen Minuten kamen die Zweifel. Was habe ich mir dabei gedacht, nach 15 Stunden noch mit Sportlern mithalten zu können, die in diesem Bereich seit Jahren erfahren sind?

Die Abfahrt hob die Moral kurz — die Zweifel kehrten zurück, sobald der nächste Anstieg begann. Erst im folgenden Flachstück ließen auch die Magenbeschwerden nach. Energie und Moral kamen zurück.

Zweiter Platz

In einem der vorletzten Anstiege telefonierte ich kurz mit meiner Freundin. Ihre Nachricht: Ich lag auf Platz 2.

Ich konnte es kaum glauben — in meinem Kopf war ich weit hinter meinen Zielwerten. Nach kurzer Verdauungszeit und einem Rückblick auf die bisherige Strecke wurde mir klar: es kann stimmen.

Die Zweifel waren damit vom Tisch. Übrig blieb nur noch die nächste Pedalumdrehung. Auch mit aufgehender Sonne fuhr ich die letzten zwei Anstiege in der zuvor festgelegten Zielleistung.

Ziel in Feldkirch

Nach schlussendlich über 480 Kilometern erreichte ich das Timing-Gate im Osten von Feldkirch — offizielle Zeit: 22 Stunden und 40 Minuten. Die letzten 2 Kilometer rollte ich noch ins eigentliche Ziel, wo ich empfangen wurde. Platz 2 in der Solo-Wertung.

Interview nach der Zielankunft beim Race Across Austria in Feldkirch
Direkt nach der Ankunft im Ziel in Feldkirch.

Was bleibt

Eine ganze Nacht mit dem Fahrrad zu fahren, bei totaler Finsternis Berge hinauf und hinunter — das war eine der interessantesten Erfahrungen, die ich sportlich gemacht habe. Dazu die Einsamkeit und der Frieden in der Stille der Berge, über Stunden nur mit sich selbst beschäftigt.

In den kommenden Artikeln gehe ich tiefer: wie die 10-monatige Trainingsperiodisierung konkret aufgebaut war, und wie die Höhentrainingsblöcke — von den ersten Reizen im Winter bis zum finalen Lager vor dem Start — die Leistung über die gesamte Vorbereitung getragen haben.

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